Es war der größte Fehler meines Lebens, als ich mich mit 18 entschlossen hatte, auszuziehen um mit meinem Freund Roland zusammen zu ziehen. Meine Eltern waren dagegen und warnten mich und sagten, dass das eine falsche Entscheidung sein würde. Ich entgegnete ihnen: „ Aber ich bin doch 18, das heißt ich bin volljährig.“ Mein Vater schrie: „Du bist vielleicht volljährig, Susanne, aber du hast zu wenig Erfahrung. Hör auf mich, ich bin fast 50, ich weiß, wovon ich spreche. Und was ist mit deinem Studium, du willst ja Psychologin werden. Wie soll es damit weitergehen?“ Doch die Familie meines Freundes wollte uns unterstützen, denn sie war sehr reich.

Eigentlich war die Familie von Roland keine richtige Familie, sie wollten ihren Sohn nur so schnell wie möglich loswerden. Die Liebe in der Familie war nur in geringen Maßen vorhanden. „ Na gut, aber wenn du gehst, musst du die Konsequenzen deiner Entscheidung allein tragen.“ sagte mein Vater.

Ich verließ das Haus meiner Familie und mietete mit Roland eine Wohnung, die wie auch mein Studium, von den Eltern von Roland finanziell unterstützt wurde. Roland arbeitete als Autotechniker und ich ging weiterhin an die Universität. Nach kurzer Zeit wurde ich schwanger und die Reaktion von meinem Freund war positiv, er war froh aber dennoch etwas besorgt.

Doch diese Freude hielt nicht lange an, denn im 6. Monat meiner Schwangerschaft konnte ich massive Veränderungen an seinem Verhalten mir gegenüber bemerken. Er wirkte ständig mit seinen Gedanken abwesend und desinteressiert. Nach 2 Wochen fand ich heraus, dass er eine neue geheime Freundin hatte. Ich stellte ihn zur Rede und sagte: „ Ich gebe zu, dass sie viel hübscher und auch reicher ist als ich, aber was ist mit der Liebe zwischen uns. Existiert sie für dich etwa nicht mehr?“ Seine Antwort war die eines unreifen Jugendlichen, dem das Wort „Familie“ völlig unbekannt war, denn er antwortete: „Unser gemeinsames Leben macht mir keinen Spaß mehr. Ich bin für ein Kind noch nicht bereit.“ Ich entgegnete empört: „Wo ist denn die Liebe zwischen uns? Betrachtest du Frauen etwa als Austausch – oder Lustprodukte?“ Doch es nutzte nichts, er hatte sich das genau überlegt, er wusste, seine neue Freundin war schöner und auch reicher und so musste er die Kosten für die Wohnung und das Studium nicht mehr übernehmen. Nach 2 Wochen kam er nicht mehr nach Hause und ich machte mir nicht die Mühe ihn anzurufen oder zu suchen, denn ich wusste, er würde nicht mehr kommen.

Nun musste ich das Studium abbrechen und auch auf die Wohnung verzichten und mir eine kleinere und billigere nehmen. Ich fing an, in einem Restaurant unter sehr schlechten Bedingungen zu arbeiten. Jetzt wurde mir klar, dass mein Vater mit allem Recht hatte und meine Entscheidung von Anfang an ein Fehler war. Ich hatte immer noch die Stimme meines Vater ihm Ohr: Du musst die Konsequenzen deiner Entscheidung alleine tragen?

Das Kind, das schon geboren war, nannte ich Markus und nun verlief mein Leben ganz anders. Den Kontakt zu meinen Eltern hatte ich schon längst abgebrochen aber ich hörte, dass meine Mutter vor Kummer gestorben ist, da sie mich nämlich kontaktieren wollte, doch mein Vater dies verbot, und mein Vater im Rollstuhl saß und ich gab mir alleine die Schuld dafür. Es war für mich keine Überraschung, dass mein Vater mich bis jetzt nicht kontaktiert hatte, denn ich wusste, wie er dachte und wie seine Erziehungsmethoden waren. Noch dazu war er noch immer traurig und zornig über meinen Auszug. Er führte noch seine Baufirma.

Ich jedoch kämpfte immer mit meinen finanziellen Problemen. Ich musste mir sehr oft von meiner Nachbarin Geld leihen, da mein Einkommen für ein Monat nicht ausreichte. Trotz meines Zeitmangels war ich für Markus auch eine Nachhilfelehrerin, dadurch hatte ich fast nie Freizeit. Als Markus im Schulalter war, lernte ich viele Männer kennen, von denen mich viele heiraten wollten. Doch das Problem war wegen Markus, manche von denen akzeptierten ihn nicht und andere wollten Markus auf ein Internat schicken, wo ich ihn nur jedes Wochenende hätte sehen können. Das heißt ich konnte meinen Sohn nicht jeden Tag sehen und das war für mich nicht zu ertragen. Doch ich hatte meine Erfahrung gemacht und lehnte jeden Heiratsantrag ab.

Markus Traumjob war Bauingenieur. Er lehnt alles andere ab, denn die Technik war seine große Leidenschaft und so suchte ich mir noch einen anderen Job, um ihm das Studium zu finanzieren. Er war sehr talentiert und gut in seinem Gebiet und beendete das Studium mit Auszeichnung. Markus fand bald eine gute Arbeit. Er kam eines Tages glücklich nach Hause und berichtete mir: „Mama, ich habe eine tolle Stelle gefunden. „Wirklich, wo denn?,“ fragte ich begeistert. Als er mir den Namen der Baufirma nannte, bekam ich einen Schock, denn es war die meines Vaters. Da ich den Kontakt zu meinen Eltern schon vor Markus Geburt abgebrochen hatte, hatte das Kind nie seine Großeltern kennengelernt. Markus war also nicht bewusst, dass er bei seinem Großvater angestellt war und genauso ahnungslos war mein Vater.

Mein Sohn war sehr zufrieden mit dieser Firma und glücklich mit seiner Arbeit dort. Er war sehr begeistert von seinem Chef und Besitzer der Firma, also seinem Großvater. Für mich war es schwer zu ertragen, dass mein Sohn unwissentlich bei seinem Opa arbeitete ohne von ihrer Verwandtschaft zu wissen.

Drei Wochen danach erfuhr ich von Markus, dass er sich aufgrund eines neuen Projekts mit dem Besitzer der Firma persönlich treffen würde. Ich konnte mich nicht länger stoppen, ich wollte meinen Vater und meinem Sohn zusammen sehen. Aufgrund meiner Schuldgefühle wegen dem Tod meiner Mutter und der Lähmung meines Vaters beschloss ich, heimlich in die Firma zu gehen, um ihn so zu Gesicht zu bekommen.

Die beiden trafen sich in einem großen Büro, in der ich mich hinten in der Ecke aufhielt. Der Anblick meines Vaters ließ viele Erinnerungen in mir hochkommen. In seinem Rollstuhl sah er richtig alt und hilflos aus. Der Kummer lag noch immer in seinen Augen und er wirkte geschwächt. Was mich aber glücklich stimmte, war, dass man deutlich bemerken konnte, dass er sehr zufrieden mit der Arbeit meines Sohnes war. Er entfernte sich für einen Augenblick von meinem Sohn und sagte traurig und leise zu sich mit einem Seufzen: „So ein fleißiger und begabter Ingenieur und genau im Alter meines Enkels, den ich leider nie gesehen habe.“

In diesem Moment konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und rief laut: „Das ist er doch!“ Erschrocken sah er zu mir. Als er mich erblickte und sofort erkannte, fragte er: „Was meinst du Susanne, ist er mein Enkel?“ In diesem Augenblick trat auch Entschlossenheit in sein Gesicht, er vergaß, dass er im Rollstuhl war und stand auf und rannte zu Markus und umarmte ihn. „Papa! Und genau nach deinen Erziehungsmethoden habe ich Markus erzogen, doch er war gehorsamer als ich dir, “ rief ich. Sowohl ich also auch mein Vater konnten mit dem Weinen nicht aufhören. Markus stand zwischen uns und war sehr verwirrt. Wir sind wieder eine glückliche Familie und mein Vater braucht den Rollstuhl nicht mehr.

„Ich bin die Weisheit,

  Ich bin die Erfahrung,

  Ich bin die Liebe bis zur Kreuzigung,

  Ich will für euch alle das Beste,

  Bitte bleibt in meiner Liebe“ sagte unser geliebter Herr Jesus Christus.

 

Maria und Katharina 06.07.2012