Karfreitag der Heiligen Karwoche

Was kann ich sagen zu diesem Tag? Wenn ich die Begriffe aller Sprachen und Zeiten durchforschte, ich fände keinen passenden Begriff. Ja, sogar der Begriff „Liebe“ scheint mir viel zu schwach. Und so stehe ich sprachlos vor Deinem Kreuz. Ich stehe vor dem Kreuz, an dem mein Geliebter hängt. Aber heute sieht Er anders aus. Sein immer lächelndes Gesicht ist heute matt und verletzt. Seine Brust, an die ich mich immer anlehnte, ist voller Blut und hebt sich im Schmerz, um einatmen zu können. Seine Hand, die meine Hand hielt und mich aus dem Schlamm zog, sie ist durchbohrt. Seine Füße, die ewig im Staub gingen und ermüdeten – heute kann Er sich nicht auf ihnen halten, denn der Schmerz des Nagels ist zu groß. Wie komme ich Sünder dazu, meinen Herrn so zu sehen? In meinen Gedanken rufe ich aus zu Dir: Ach Herr, würde ich nur da hängen statt Dir! Und als Er sich in Seinem Schmerz zu mir wendete und ich die Liebe in Seinen Augen sah, erinnerte ich mich, dass es tatsächlich eigentlich mein Platz war.