Festakt in der Wiener koptisch-orthodoxen Kathedrale - Auszeichnung der Kardinal-König-Stiftung auch Geste der Solidarität mit koptischen Christen in Ägypten

28.10.2012
 
Wien, 28.10.2012 (KAP) Der im Frühjahr verstorbene Kopten-Patriarch Shenouda III. ist posthum mit dem Kardinal-König-Preis 2012 ausgezeichnet worden. Der koptisch-orthodoxe Bischof für Österreich, Anba Gabriel, nahm die mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro verbundene Ehrung am Samstagabend bei einem Festakt vor zahlreichen Spitzenvertretern der christlichen Kirchen und der ägyptischen Botschaft in der koptisch-orthodoxen Kathedrale in Wien-Donaustadt entgegen. Das Preisgeld wird für das neue Wiener theologische "Pope Shenouda-College" zweckgewidmet, das bis in seine letzten Lebenstage ein Lieblingsprojekt Shenoudas war. Ursprünglich sollte der Preis der Kardinal-König-Stiftung persönlich an Patriarch Shenouda III. übergeben werden. Sein Tod am 17. März durchkreuzte diese Pläne.


Shenouda III. habe sich Zeit seines Lebens unermüdlich bemüht, unter oft tragischen politischen Umständen, ein friedliches und gleichberechtigtes Zusammenleben von Kopten und Muslimen zu gewährleisten, erinnerte der Präsident der Kardinal-König-Stiftung, der Grazer Bischof Egon Kapellari, bei dem Festakt. Angesichts der zunehmenden Radikalisierung in Ägypten sei der Preis auch eine "weithin sichtbare Geste der Solidarität mit der koptischen Glaubensgemeinschaft und zugleich auch eine Unterstützung, um in den Christen Ägyptens auch die Hoffnung auf eine Zukunft in Gerechtigkeit und Versöhnung zu stärken".

Kapellari erinnerte an die "brüderlich-ökumenische Verbundenheit" des koptischen Papst-Patriarchen mit Kardinal Franz König (1905-2004). Für Kardinal König sei das Zweite Vatikanische Konzil die "hohe Zeit seines Lebens" und das Dekret über das Verhältnis der katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen - "Nostra Aetate" - eines der wichtigsten Dokumente des Konzils gewesen. Christen, Juden und Muslime hätten die Verpflichtung, sich überall und jederzeit für Religionsfreiheit einzusetzen.

Ökumene als Lebensaufgabe

Der Vizepräsident der "Kardinal König-Stiftung", Prof. Heinz Nußbaumer, bezeichnete die Überreichung des Preises als ein "weithin sichtbares Leuchtfeuer jener Geschwisterlichkeit, die in Form und Inhalt erst durch das Zweite Vatikanische Konzil möglich geworden ist". Zugleich betonte Nußbaumer, wie sehr die aktuellen Geschehnisse die "untrennbare Vernetzung von Religionsfreiheit und Weltfrieden" bewusst machen: "Es kann und darf uns nicht gleichgültig sein, wenn Christen, deren religiöse Wurzeln tief in die Geschichte großer Völker reichen, immer stärker an den Rand gedrängt werden - und ihrer Überzeugung wegen bedroht, ja in ihrer Existenz gefährdet werden."

In seiner Laudatio für Shenouda III. unterstrich Nußbaumer, welch "beispielloses Wachstum an Spiritualität, Priesterberufungen und an Erneuerung des Glaubens" die koptisch-orthodoxen Christen dem verstorbenen Papst-Patriarchen verdanken. Gerade in der schwierigen Zeit großer politischer Umwälzungen würden die koptischen Christen schmerzlich jenen inneren Halt vermissen, "den ihnen Shenouda III. über mehr als vier Jahrzehnte geben konnte". Der Patriarch habe die Ökumene zu seiner Lebensaufgabe gemacht und mache Trennung durch Dialog, Klugheit und Beharrlichkeit überwunden oder weniger spürbar gemacht.

"Ausnahmepersönlichkeit"

Das Wirken und die "Ausnahmepersönlichkeit" Shenoudas III. sei bald nach seiner Wahl zum Patriarchen zunehmend weltweit wahrgenommen worden, u.a. als Präsident des Weltkirchenrats (ÖRK), als Vorsitzender des "Rates der Kirchen im Nahen Osten" (MECC) und als ein Schirmherr der Wiener Stiftung "Pro Oriente". Die vielen Ehrendoktorate und Ehrenbürgerschaften und die Wahl zum "besten Prediger der Welt" seien aber nur äußere Zeichen einer wachsenden Bewunderung für einen Patriarchen gewesen, dem "seine Kirche einen enormen spirituellen Aufbruch, das Christentum entscheidende ökumenische Impulse und seine Heimat Ägypten ein gelebtes Vorbild an Toleranz und Gewaltlosigkeit verdankt", wie Nußbaumer sagte. Der Tod Shenoudas III. sei von Millionen Menschen betrauert worden. Weit über den Nahen Osten hinaus, der seit Menschengedenken unter drückenden religiösen, politischen und sozialen Spannungen leidet, sei plötzlich ein "Gefühl des gemeinsamen Verlustes" zu spüren gewesen.

Aus der Tradition Ägyptens gewachsen - "jener Ursprungsregion des christlichen Glaubens, in der das klösterliche Leben und das Ringen der Menschen um die Nachfolge Christi tiefer in die Geschichte zurückreicht als anderswo" - sei Shenouda III. als Mönch und Eremit, als Priester und Lehrer, als spiritueller Vater und Oberhaupt der koptischen Kirche bis in sein hohes Alter "stark, unbeirrt und furchtlos" für die Botschaft des Christentums eingestanden. Er habe das mit einem klaren Wissen getan, wie Kirche heute und morgen sein sollte. Jeden Mittwoch habe er in der Markuskathedrale in Kairo vor dem Volk gepredigt, "Woche für Woche kamen viele Tausende, um ihm zu lauschen", so Nußbaumer.

Shenouda III. sei aber auch ein großer Schriftsteller gewesen, der der Nachwelt eine "unglaubliche Zahl von Büchern und Gedichten über alle Probleme der Gottsuche und des Lebens" hinterlassen habe. Vor allem aber habe er die koptische Kirche in einem "geradezu atemberaubenden Ausmaß" erweitert: Zu den bestehenden 27 Diözesen fügte er weitere 27 hinzu, er gründete 20 neue Klöster in Ägypten und viele weitere im Ausland, 117 Bischöfe und tausende Priester, Mönche und Nonnen wurden von ihm geweiht oder in den Ordensstand aufgenommen. Bis zuletzt sei er ein Freund der Kinder und der Jugend gewesen, "im Wissen, dass die Saat des Glaubens schon ganz früh gelegt werden muss".



Quelle:Kathweb

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