Vertreter der Ökumene mit Kardinal Schönborn an der Spitze bei der Gedenkfeier für Papst-Patriarch Schenuda III. in der Wiener koptisch-orthodoxen Kathedrale=

 

Wien, 01.04.12 (poi/örkö) „Wenn Gott ein Volk besonders liebt, schenkt er ihm große heilige Hirten“: Dies betonte Kardinal Christoph Schönborn am Samstagabend in der Wiener koptisch-orthodoxen Kathedrale bei der ökumenischen Gedenkfeier für den verstorbenen Papst-Patriarchen Schenuda III. Unter der väterlichen Leitung von Schenuda III. habe die koptische Kirche eine Blüte erlebt, die an die großen Zeiten dieser Kirche erinnere, sagte der Wiener Erzbischof. Der Papst-Patriarch sei seit seiner Zeit als Mönch zutiefst erfüllt gewesen von der Liebe zu Gott, der Verbundenheit mit Christus und offen für das Wirken des Heiligen Geistes: „Die tiefste Quelle seines Hirtendienstes war offensichtlich seine Zeit als Einsiedler in der Wüste des Wadi Natrun“.

 

In seinen von persönlichen Erinnerungen geprägten Gedenkworten unterstrich Kardinal Schönborn die Leidenschaft Schenudas III. für die Lehre, 40 Jahre hindurch habe der Papst-Patriarch Woche für Woche jeweils am Mittwoch sein Volk gelehrt. Als er 1998 in Wien Gast des Kardinals war, legte Schenuda III. Wert darauf, am Mittwoch wieder in Kairo zu sein, um die Katechese nicht zu versäumen. Als starke Quelle der Erneuerung habe der Papst-Patriarch auf die Mönche gesetzt, von denen er erwartete, dass sie ein akademisches Studium absolvieren und Berufserfahrung sammeln. Die Erneuerung der ägyptischen Klöster, denen die ganze Christenheit das Mönchtum verdankt, sei Schenuda III. ein Herzensanliegen gewesen, erinnerte der Wiener Erzbischof. Charakterisch für den verstorbenen Papst-Patriarchen sei aber auch sein Humor gewesen, seine „in Gott ruhende Fröhlichkeit und Freude, die zugleich ganz bei den Menschen war“. Kardinal Schönborn wörtlich: „Ich habe noch nie so viel gelacht wie in der Woche, in der er mein Gast in Wien war“. Bei der letzten Begegnung mit Schenuda III. – bei einer Zwischenlandung in Wien im VIP-Raum des Flughafens Schwechat – sei angesichts der vielen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die um den Patriarchen waren, deutlich zu spüren gewesen, „mit welcher Liebe sein Volk an ihm hing und welche Liebe er dem Volk entgegenbrachte“. Auch dank der Fürsorge von Schenuda III. sei die koptische Kirche eine „große, lebendige, durch das Martyrium erprobte und im Glauben verwurzelte Kirche“.

 

Der koptisch-orthodoxe Bischof Anba Gabriel erinnerte daran, dass Schenuda III. „Geschichte gemacht“ habe. Schon früh habe der 1923 geborene spätere Papst-Patriarch die Mutter und dann auch den Vater verloren. Mit 16 Jahren habe er sich erstmals im Bereich der koptischen Sonntagsschule engagiert. An der Universität Kairo studierte er Geschichte. 1947 schloss er das Studium mit Auszeichnung ab. Während seines letzten Studienjahrs inskribierte er an der Theologischen Hochschule und beendete 1950 auch dieses Studium erfolgreich. Zunächst war er als Mittelschullehrer und als Journalist tätig, in der ägyptischen Armee diente er als Offizier. Zugleich pflegte er seine lyrische Begabung – einige seiner berührenden spirituellen Gedichte wurden in deutscher Übersetzung bei der Gedenkfeier vorgetragen. 1954 trat er in das Syrer-Kloster – Der-el-Suriani – im Wadi Natrun ein, einige Zeit verbrachte er als Einsiedler in der Wüste. 1958 wurde er zum Priester geweiht, 1962 zum Bischof (mit der Verantwortung für den Schul- und Bildungsbereich). Am 14. November 1971 erfolgte seine Wahl zum Papst-Patriarchen der koptisch-orthodoxen Kirche und 117. Nachfolger des Heiligen Apostels Markus. Er errichtete 27 neue Diözesen in Ägypten und 27 im Ausland, unternahm 102 Pastoralreisen in alle Welt, errichtete 550 neue Kirchen, begründete mehrere theologische Fakultäten und schrieb 150 Bücher. Er nahm die durch die islamische Eroberung viele Jahrhunderte unterbrochene koptische Missionstätigkeit im afrikanischen Raum wieder auf, so in Kenia, Zambia, Zimbabwe und Südafrika.

 

Schenuda III. habe an die „Einheit der Kirche“ geglaubt, unterstrich Anba Gabriel. Daher habe er Kontakt mit Kardinal Franz König und mit der Stiftung „Pro Oriente“ aufgenommen und durch die von ihm inspirierte „Wiener christologische Formel“ einen wesentlichen Beitrag für die Ökumene geleistet. In diesem Zusammenhang erinnerte der koptische Bischof daran, dass der Kardinal-König-Preis der gleichnamigen österreichischen Stiftung am 16. März an den Papst-Patriarchen übergeben werden sollte. Schenuda III. sei der erste koptische Patriarch seit 1.500 Jahren gewesen, der sowohl den Vatikan in Rom als auch den Phanar in Konstantinopel aufgesucht habe. Zudem wirkte er als einer der Präsidenten des Weltkirchenrats in Genf. Sein Interesse galt aber auch dem interreligiösen Dialog, insbesondere mit dem Islam.

 

Anba Gabriel verwies auf die spirituellen Wurzeln Schenudas III.: Trotz seiner intensiven spirituellen Arbeit verbrachte der Papst-Patriarch jede Woche jeweils zwei bis drei Tage in seinem Heimatkloster. Am Mittwoch hielt er seine Katechesen, am Donnerstag um 11 Uhr traf er in seiner Residenz mit den Armen zusammen. Zudem war er ein Freund der Kranken.

 

Im Hinblick auf die Staatstrauer um Schenuda III. habe es in Ägypen in den letzten 200 Jahren nichts Vergleichbares gegeben, unterstrich der koptisch-orthodoxe Bischof für Österreich. In Wien werde es am 25. April – dem Jahrestag der Grundsteinlegung der koptischen Kathedrale im 22. Bezirk – die in den Ostkirchen übliche 40-Tage-Gedächtnisfeier nach dem Tod geben.

 

An der Gedenkfeier nahmen zahlreiche Vertreter der Ökumene teil: Mit Kardinal Schönborn u.a. der Apostolische Nuntius, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis), der syrisch-orthodoxe Chorbischof Emanuel Aydin, der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar (und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich) Nicolae Dura und „Pro Oriente“-Präsident Hans Marte. Ein eindrucksvoller Höhepunkt der Gedenkfeier war die Präsentation eines in Österreich entstandenen Lieds über Schenuda III. durch den koptischen Jugendchor.(ende)

______________________________
Prof. Erich Leitenberger
Pressesprecher
Stiftung PRO ORIENTE


http://t1.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcQjmi-E9rIgEslH3AVQ4Xjvz_B1jyhw7ri5xbeJLBOsNLL1JPUHtw

Pin It

Tägliche Andachten

,,Gott liebt uns mehr als Vater, Mutter, Freund oder son...

,,Die aber, die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue ...

,,Ich weiß nicht, wann oder wie wir die Erde verla...

,,Als Jesus ein andermal zu ihnen redete, sagte er: Ich ...

,,Da begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt...

,,Wer sich dagegen an den Herrn bindet, ist ein Geist mi...

Neueste Artikel

    Der Jugenddienst hat die Konferenzen für die Se...

Am Freitag, den 24.2.2012 besuchten zwei 4.Volksschulenk...

S.E. Bischof Anba Pola wird am Samstag, den 10.03.2012. ...

Er ist ein Jugendlicher, der nicht oft in die Kirche g...

S. E. Bischof Anba Gabriel wird am Samstag, den 10.03.20...

S.E. Bischof Anba Pola ist heute nach Wien gekommen. S.E...