18.Ist jede Krankheit eine Strafe?

 

Frage:

Ist jede krankheit eine Strafe von Gott? Oder gibt es Krankheiten, die vom geistlichen Nutzen sind und die nichts mit dem Zorn Gottes zu tun haben?

 

Die Antwort:

 

Zweifelsohne gibt es Krankheiten, die eine Strafe von Gott sind.

 

So zum Beispiel einige der zehn Plagen: die Plage der Geschwüre, die den Pharao und sein Volk traf.(2.Moses 9:9). Wie auch die Plagen und die Krankheiten, die diejenigen treffen, die die Gebote brechen, wie es im 5. Buch Moses steht (5.Moses 28:27,35,59-61).

 

Wie ebenfalls der Aussatz, der Gechasi, den Schüler von Elisäus als Strafe traf wegen seines Betruges, als er von Naaman dem Syrer Geld nahm...

 

Als Beispiel auch gelten die Krankheiten, die diejenigen treffen, die unwürdig die Heilige Kommunion empfangen und zwar wie der Heilige Paulus über sie sagte: „Darum sind unter euch viele Schwache und Kranke und sind so manche entschlafen“ (1Korinth. 11:30).

 

Manche Krankheiten entstehen aber als Folge der Nachlässigkeit des Menschen oder wegen seiner eigenen Fehler.

 

Der Mensch kann krank werden, weil er den gesundheitlichen Regeln nicht folgt oder weil er gewisse gesundheitsschädliche Gewohnheiten - wie das Rauchen und Alkohol trinken – hat. Oder wenn der Mensch sich maßlos erschöpft.

 

Die Krankheit ist manchmal auch erblich bedingt.

 

Die Krankheit kann aber auch von den Angriffen der Teufel und ihrer Schläge kommen:

 

Als der Teufel Job mit einem bösem Geschwür von der Fußsohle bis zu seinem Scheitel schlug (Job 2:7), geschah dies mit Erlaubnis Gottes.

 

Die Krankheit kann auch Heilige auf dem Höhepunkt ihres geistlichen Lebens treffen:

 

Ein Beispiel dafür ist , was dem Patriarchen Jakob geschah. Wie er mit Gott kämpfte und siegte.

Als er den Segen erhielt, schlug Gott sein Hüftgelenk an der Sehne. Da wurde das Hüftgelenk Jakobs ausgerenkt und er hinkte an seiner Hüfte.(1Moses 32:25-33). Dies hat Gott wahrscheinlich zugelassen, damit Jakob seine Schwäche fühlt und damit er nicht hochmütig wird.

 

Ein anderes Beispiel dafür ist der heilige Apostel Paulus, der in den dritten Himmel entrückt wurde und unsagbare Worte hörte, die ein Mensch nicht aussprechen darf.

Aus Sorge um ihn, dass er sich bei dem Übermaß der Offenbarungen nicht überhebe, hat Gott ihm einen Stachel ins Fleisch gegeben, einen Engel des Satans , dass er ihn mit Fäusten schlage, damit er sich nicht überhebe. (2Korinther 12:1-7).

 

Gott sah, dass die Krankheit für seinen Heiligen Paulus von Nutzen war, deshalb nahm Er die Krankheit nicht von ihm.

 

Dreimal bat Paulus den Herrn, er möge ablassen von ihm, aber Gott erhörte sein Gebet nicht, sondern sagte zu ihm: Es genügt dir meine Gnade“ (2.Korinther 12:9), weil die Krankheit für seine Seele gut war...

 

Dies erinnert uns an die Aussage des Heiligen Basilius des Großen: Wenn du krank bist, bedränge Gott nicht bei deiner Bitte um die Heilung, denn du weißt nicht, was für dich gut ist, die Krankheit oder die Gesundheit...

 

Krank zu sein, ist eine Schule der Demut, des Gebets, des Aushaltens, der Reue und auch eine Quelle vieler Tugenden...

 

Die Krankheit des Apostels Paulus war für ihn eine Quelle der Demut „dass er bei dem Übermaß an Offenbarungen sich nicht überhebe“. Auch bei unserem Vater Jakob war sie notwendig, damit er seine Schwäche spürte, nachdem er mit Gott rang und siegte.

 

Die Krankheit zermalmt die Seele wie auch den Leib, und lässt den Menschen seine Schwäche fühlen, egal wie viele Begabungen er hat...

 

Die Krankheit ist auch eine Quelle des Gebets in ihrer Tiefe und Inständigkeit und zwar sowohl für den Kranken als auch für seine Angehörigen, besonders wenn die Krankheit schlimmer wird...

 

Die Krankheit bringt den Menschen näher zu Gott... Gott lässt es manchmal zu, dass die Krankheit länger dauert, und somit dauern die Gebete auch länger und die Seele wird geläutert...

 

Die Gebete können auch von Gelübden begleitet sein, wenn Gott die Heilung gibt; dadurch schließt der Mensch Bündnisse mit Gott...

 

Und wie das Gebet zu Gelübden führt, führt es auch zur Reue.

 

Die Menschen kommen zur Reue, damit sie sich mit Gott versöhnen, und so erbarmt er sich ihner und heilt sie...

 

Oder sie kommen zur Reue, weil die Krankheit ihnen die Nähe des Endes fühlen lässt; was die Liebe bei ihnen nicht erreicht hatte, erreicht bei ihnen die Furcht.

 

Und so vermag eine einzige Krankheit, was viele Predigten nicht vermochten.

 

Die Krankheit kann auch die Liebe, die Mitgefühle, und auch das soziale Leben zwischen den Menschen vertiefen ...

 

Wenn die Menschen Kranke besuchen, sie bedienen und mitfühlend ihnen gegenüber sind, vertiefen sich die mitmenschlichen Gefühle.

Wie oft sind Streitigkeiten durch Krankheitsphasen versöhnt worden. Anstelle des Streits kam die Versöhnung ohne Diskussion ...

Wer einmal die Schmerzen der Krankheit durchlitten hat, hat meistens Mitleid mit den Kranken und denen, die unter Schmerzen leiden...

 

Die Krankheit kann die Menschen näher zur Kirche bringen, wenn die Priester den Kranken besuchen. Oder wenn um das Gebet der Krankensalbung gebeten wird...

 

Die Krankheit ist ein Teil des Schmerzes und die Schmerzen sind ein nützlicher Segen für den Menschen.

 

Deshalb sagte die Schrift „Es ist euch gegeben, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden“.

 

Lasst uns die positiven Seiten der Krankheit sehen und Gott danken.

 

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Jahre mit den Fragen der Menschen - Teil V - Geistliche Fragen und Fragen über die Heilige Schrift

Seine Heiligkeit Papst Schenouda III