Blume in der Wüste

Die Heilige Hanna

Ein Vortrag Seiner Exzellenz Bischof Anba Gabriel

Ramatajim:

Eine sehr wichtige Stadt in der Geschichte der Bibel

Bedeutet: Höhen der Asketen

Dort lebten bedeutende Menschen wie Samuel der Prophet und dort wurden Könige wie Saul geweiht. Später lebte dort Josef von Rama, der Jünger Christi

 

Elkana und seine Familie: lebten auch in Rama (Ramatajim Sofim)

Elkana bedeutet:  „Gott besitzt“

Er hatte zwei Frauen: Die eine hieß Hanna, die andere Peninna.

Peninna bedeutet:  „Koralle“

Hanna bedeutet:  „Barmherzigkeit“

Elkana war ein guter Mensch und ein gerechter Ehemann. Er hielt immer zu Hanna, obwohl sie unfruchtbar war. Wenn er nach Schilo reiste, um den Herrn der Heere anzubeten und ihm zu opfern, nahm er seine große Familie mit. Sie aßen und tranken vor Gott, jubelten und feierten jedes Jahr das Paschafest. Die Menschen brauchten es ständig zu jubeln, sich zu freuen, essen, trinken, sogar spielen. Er verteilte das Opfer an die ganze Familie, aber nur Hanna nahm zwei Portionen. Peninna aber kränkte und demütigte sie, Hanna aber verteidigte sich und antwortete nie. Hanna ist eine ideale Persönlichkeit, warum? Dazu kommen wir später…

Schilo:

Ein hebräisches Wort, bedeutet: Ruhe oder Frieden, aber wortwörtlich: etwas für ihn (Gott)  

Heißt jetzt Siloh.

Nach der Ruhe des israelitischen Volkes wählte Josua die Stadt als einen heiligen Ort für das Bundeszelt. Schilo wurde daraufhin zum Pilgerort. Das Bundeszelt blieb 300 Jahre dort. Solange das Volk heilige lebte und das Priestertum fromm blieb, war der Ort sehr heilig. Dies gilt auch heutzutage; wenn die Kirche, ihr Volk und die Priester heilig bleiben, ist die Kirche gefestigt. In Schilo teilte Josua das Land für die Stämme Israels und er residierte dort.  Zu Festzeiten tanzten die Mädchen von Schilo als Zeichen der Freude. Während einer Feier wurden 200 Mädchen entführt und 200 Männern als Frauen gegeben. Die Männer waren Benjaminiter. Sie taten dies, um ihren Stamm vor dem Aussterben zu retten.

In Schilo wohnten die Propheten Eli und Samuel. Die Philister kamen bis dorthin und nahmen die Bundeslade. Die Stadt Schilo ist auch vergleichbar mit Jerusalem zur Zeit Salomos. Aufgrund der Sünde des israelitischen Volkes drohte Gott mehrmals mit der Ablehnung des heiligen Ortes.

 

 

Eli, der Oberpriester:

Die Verantwortung des Priesters ist größer als die eines Laien. Auch die gegen die Priester gerichteten Strafen sind erheblich gefährlicher. Der Priester trägt die Verantwortung der Erlösung seines Volkes. Gott sagt: „Er wird von der Hand des Priesters das Blut seiner Schafe verlangen.“  Eli war ein nachlässiger Priester, er verwöhnte seine Kinder und liebte sie auf einer falschen Art und Weise, sogar mehr als Gott. Er weigerte sich sie zu belehren, ermahnen oder bestrafen. Obwohl er von ihren Taten wusste, nahm er ihnen die Gnade des Priestertums nicht weg.

Die Sünden der Söhne Elis, Hofni und Pinhas:

Sie sind zwar Priester geworden, aber nur durch das Erbrecht in der Familie. In ihren Herzen aber wohnte nur das Böse.  

  1. Sie verachteten das Opfer, welches ein Symbol für Christus war, indem sie sich nur um das Fleisch kümmerten und es mit Gewalt und Drohungen von den Gläubigen nahmen. Sie brachten junge Leute und Instrumente, um das rohe Fleisch den Gefäßen zu entnehmen und verachteten das Gesetz der Opferdarbringung. 
  2. Sie übten sogar Ehebruch mit mehreren Frauen vor dem Bundeszelt aus.

Ihre Sünden vermehrten sich und häuften sich zusammen zu einem riesigen Berg. Die beiden Geschwister zeigten auch keine Reue, ließen das Volk sündigen und dadurch brachten sie Gotteszorn über Israel. So sah die unheilvolle Atmosphäre vor dem Gotteshaus in Schilo aus. Wer durfte diesem Ort noch Vertrauen schenken?

Gelübde und Erfüllen:  

Die Trauer der Heiligen Hanna wurde mit der Zeit größer aufgrund der gegen sie gerichteten Kränkungen der Peninna. Die ganze Familie des Elkanas ging wie gewohnt zum heiligen Fest in Schilo. Doch bei diesem Mal kränkte Peninna die arme Hanna mehr und mehr, bis sie sie zum Weinen brachte. Elkana versuchte sie zu trösten, jedoch vergebens. Sie weigerte sich zu essen oder zu trinken, stattdessen ging sie zum Haus Gottes und betete ganz tief, ihre Augen waren mit Tränen gefüllt. Hanna „goss“ ihre Seele vor dem Herrn aus und betete, wobei sie nur ihre Lippen bewegte. Eli wurde endlich wach: Der Oberpriester warnte niemals seine bösen Kinder, umgekehrt, er erlaubte ihnen alles, auch wenn ihre Wünsche und Bedürfnisse gegen die Gesetze Gottes waren. In diesem Moment aber erinnerte er sich, dass er die Menschen ermahnen muss. Wie ein wacher Priester schimpfte er mit der armen Frau: „Wie lange willst du dich noch wie eine Betrunkene aufführen? Sieh zu, dass du deinen Weinrausch los wirst!“ Die höfliche Frau antwortete ihm mit Bescheidenheit: „Nein, Herr! Ich bin eine unglückliche Frau. Ich habe weder Wein getrunken noch Bier; ich habe nur dem Herrn mein Herz ausgeschüttet. Halte deine Magd nicht für eine nichtsnutzige Frau; denn nur aus großem Kummer und aus Traurigkeit habe ich so lange geredet.“ Der Oberpriester schämte sich und antwortete: „Geh in Frieden! Der Gott Israels wird dir die Bitte erfüllen, die du an ihn gerichtet hast.“ Sie erwiderte ihm: „Möge deine Magd Gnade finden vor deinen Augen.“ Dann ging sie weg; sie aß wieder und hatte kein trauriges Gesicht mehr.

Weil ihr Glaube, mit dem ihre Seele und Tränen erfüllt waren, vor Gott sehr groß war, spürte sie sofort die Antwort auf ihr Gebet in ihrem Herzen. Sie fühlte sich sehr wohl, ging wieder zurück, aß und trank. Alle gingen noch einmal gemeinsam hinauf zum Haus Gottes, beteten ihn an und brachten ihm Opfer dar. Ein Jahr später gebar Hanna Samuel (= Gott erhört die Frage). Nun herrschte große Freude in ihrem Herzen, sie entschied sich immer Gott anzubeten. Wieder ein Jahr später, zog Elkana mit seiner ganzen Familie wieder hinauf, um dem Herrn das jährliche Opfer und die Gaben, die er gelobt hatte, darzubringen.  Hanna aber entschied sich, nicht mitzukommen. Warum? Sie sagte: „Ich werde den Knaben erst, wenn er entwöhnt ist, hinaufbringen; dann soll er vor dem Angesicht des Herrn erscheinen und für immer dort bleiben.“ Sie wollte nicht zum Haus Gottes hinaufziehen, ohne ihr Gelübde zu erfüllen. Kurz danach, als das Kind essen konnte, nahm Hanna ihren Sohn und viele Geschenke mit, und ging nach Schilo. Eli war sehr überrascht, als er Samuel sah. Er fragte sich, was aus diesem Kind einmal werde. Als Hanna das Kind und die Opfer  (Tiere und Getreide) Gott darbrachte, war sie sehr glücklich,  der Heilige Geist erfüllte sie und sie betete. (Sam 2: 1-10) 

Samuel wuchs körperlich aber auch spirituell, er führe ein heiliges Leben. Das Haus Eli hingegen wurde immer mit der Zeit schwächer aufgrund der vielen Sünden.

Frage: Ist die Heilige Hanna eine mutige Frau?

Antwort: Natürlich. Es war sicherlich nicht einfach für sie sich von ihrem einzigen Kind zu trennen.

a)  Sie wartete jahrelang auf dieses geliebte Kind. Samuel war für sie wie Licht und Trost.

b)  Weil die Söhne Elis diesen Ort bewohnten, herrschten dort nur Sünden, Gewalt und Gefahren.

c)  Samuel war sehr jung, vielleicht war er nur 3 Jahre alt.

Unfruchtbarkeit und Gelübde:

In der Bibel und auch im Leben der Gläubigen, die nach längerer Zeit der Unfruchtbarkeit Kinder bekamen, hatten davor Gott versprochen, ihm das Kind bzw. die Kinder zu geben. Aus diesen Kindern wurden immer sehr bedeutende Persönlichkeiten. Beispiele:

¼    Simson

¼    Die Heilige Maria

¼    Johannes der Täufer

Die Heilige Hanna bat Gott zwar nur um ein Kind, aber der Herr schenkte ihr einen Propheten. Sie hätte sich niemals vorstellen können, dass ihr Sohn der spirituelle Vater der Könige wird. Wir dürfen niemals den Respekt der Heiligen gegenüber dem Haus Gottes und dem Oberpriester vergessen. Sie verwandelte ihre Trauer in Gebete, darum fand sie Erleichterung und Lösungen. 

Paninne: Sie war eine sehr eifersüchtige Frau und aufgrund ihrer Sünde gegen Hanna erwähnte die Heilige Schrift weder sie noch ihre Kinder. Die Heilige aber verspürte niemals Hass gegen sie.

 

Die Strafen für Eli:

  1. Der Geist Gottes verließ ihn, sodass er zwischen Bösem und Gutem nicht unterscheiden konnte.
  2. Ein Gottesmann kam zu Eli und brachte ihm schlechte Nachrichten. (Sam 2:27-34)
  3. Gott versicherte die Prophezeiung durch das Kind Samuel.
  4. An einem Tag wurden beide Söhne getötet, die Bundeslade wurde erbeutet, Eli fiel daraufhin rückwärts von seinem Stuhl, brach sich das Genick und starb.

Samuel:

¼    Kam zu dem Zeitraum auf die Welt, wo Gott mit keinem Menschen aufgrund der Sünde des Oberpriesters und des Volkes reden wollte.

¼    Gottes Geist verließ Eli und erfüllte Samuel.

¼    Das Kind wurde sehr gut und effektiv von seiner Mutter erzogen, er war ein sehr gehorsamer Mensch.

¼    Er erlernte von seiner erfahrenen Mutter das tiefe Beten.

¼    Gott begann eine neue Beziehung zu seinem Volk durch Samuel aufzubauen.

¼    Selbstverständlich ist auch, dass Samuel nicht von Eli, sondern von Gott und seiner Mutter erzogen wurde.

¼    Wie war seine Kindheit im Haus Gottes? Sie war aufgrund der Anwesenheit Gottes mit ihm sehr schön und wunderbar.

¼    Ohne diese Versuchung, gäbe es keinen Samuel.

 

Kontrast zwischen Eli und Hanna:  

 

Eli

Hanna

Vergaß das Gebet

Übte das Beten ohne Unterlass aus

Seine Söhne waren gottlose Sünder

Ihr Sohn Samuel war heilig

Verlassener Priester

Betender Prophet Samuel

Dunkelheit

Reinheit

Schlecht erzogene Söhne

Sehr gut erzogener Samuel

 

 

Die Bibel stellt uns zwei Bilder dar: das eine ist schwarz und stinkt, das andere ist hell und heilig!

 

Die Verehrung des Herrn:

Gott sagte in Samuel 2:30: Darum - Spruch des Herrn, des Gottes Israels: Ich hatte fest zugesagt: Dein Haus und das Haus deines Vaters sollen für ewig vor meinem Angesicht ihren Dienst versehen. Nun aber - Spruch des Herrn: Das sei fern von mir; denn nur die, die mich ehren, werde ich ehren, die aber, die mich verachten, geraten in Schande.

 

Wenn wir Gott mit Liebe ehren und fürchten, werden wir von ihm belohnt und auch verehrt. Aber die Menschen, die ihn durch die Sünde und Faulheit verachten, wird Gott auch sie verachten.

Die Sünden Elis:

Er…

  1. …erzog seine Kinder nicht
  2. …akzeptierte ihre schlechten Taten
  3. …liebte seine Kinder mehr als Gott
  4. …behandelte nicht alle Menschen gleich
  5. …beging keine Reue, trotz vieler Warnungen
  6. …vernachlässigte das Beten, das sogar Berge versetzen kann

 

Wir sollen vor diesen Bestrafungen keine Angst haben, denn:

  1. Gott ist sehr langmütig und lieb.
  2. Wir lieben Gott sehr.
  3. Wir haben die Chance der Sündenvergebung durch Reue, Beichte und Kommunion.
  4. Wir werden immer wach bleiben und dem Satan nicht die Möglichkeit geben, unsere Herzen zu besitzen.

 

 

Gott segne euch und uns

durch die Fürsprache der Heiligen Hanna, des Propheten Samuel

und Seiner Heiligkeit Papst Anba Schenouda III.

Amen.

Bischof Anba Gabriel - www.kopten.at


http://t1.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcTXoWd1of_qoxZVwEFKQKWjNmyaYeGaGJKVC9X7OlRN-qDlRlFDGg