Wer eine Sünde begeht,  gibt seine Schuld vor dem Priester, als Vertreter Gottes, zu. Dies setzt die wahrhaftige Reue , solche Sünden nicht mehr zu begehen, voraus. Er beichtet vor dem Geistlichen, damit er die Absolution erlangt.   Gott hat den Priester beauftragt, die Sünden zu vergeben oder zu binden.

„Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“

(Johannes 20 : 22)

Die Beichte ist ein unerlässlicher Bestandteil des  Buß- Sakramentes. Das Sakrament als solches bedeutet, dass der Mensch durch eine sichtbare Handlung, einer unsichtbaren göttlichen Gabe teilhaftig wird. Die sichtbare Handlung besteht darin, dass der Priester als Zeichen der Vergebung seine Hand auf den Kopf des Beichtenden auflegt und den Heiligen Geist ins Gesicht haucht.

Die unsichtbare Gabe ist die Akzeptanz der Reue und Vergebung der Sünden.

Es ist aber selbstverständlich, dass die Beichte unbedingt die aufrichtige Reue voraussetzt. Das Gegenteil ist ebenfalls gültig, d.h. Reue ohne Beichte ist eine unvollständige Buße.

Die Beichte ist nicht nur das Bekennen der Sünden und Erlangen der Absolution, sondern auch eine spirituelle „Vaterschaft“.

Er liebt seinen Beichtsohn bzw. Tochter oder Kind, teilt mit ihm das Leiden und das Empfinden, betet für ihn, weinend bitte er den  Allmächtigen für seine Vergebung und ermöglicht den Beichtsohn die Gnade sowie mehrere spirituelle Gaben zu erlangen. Er gibt nicht nach, bis der verlorene Sohn zurückkehrt.

Pater Michael -Ibrahim  († 1975) war der Beichtvater vom Papst Schenouda.  Er  war es gewohnt, als er die Beichte von seinen Söhnen und Töchtern genommen hatte, hat er mit ihnen Leid und für jeden und jede gebetet, falls er eine Buße für einen gibt, hat er selbst mitgemacht.  Z.B. Er hat zu einem beichtenden Sohn 50 Metania als spirituelle Erziehung (…) wegen einer bestimmten Sünde. Pater Mikhael ging in den Altarraum und hat die 50 Metania zuerst gemacht bevor er die nächste Beichte nahm.

[BEWEISE DER WICHTIGKEIT DIESES SAKRAMENTES]

1.)    In der Natur:

Von Natur aus benötigt der Mensch, in den verschiedenen Phasen seines Lebens, Mitmenschen, die mit ihm seine Freude und Trauer, seine Geheimnisse, seine Mühseligkeit und Sünden, die sein Gewissen belasten, teilen und tragen. Schon seit den Anfängen der Schöpfung, lesen wir:

„Dann sprach Gott der Herr: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm Hilfe machen, die ihm entspricht“(Genesis 2: 18)

Gott hat dies in der Natur des Menschen geschaffen. Gott hat Adam den Weg der Beichte gelehrt, indem er ihn fragte: „Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe?“(Genesis 3 : 11)

In diesen Zusammenhang sagt der hl. Augustinus:

„Gott der Allmächtige hat Adam und Eva gefragt,  ob sie ihm etwas zu sagen hätten, bevor er ein Urteil über sie fällt, als sie sein Gebot missachteten.

Dadurch  gewährte er ihnen die Chance, die Möglichkeit ihrer Schuld zu bekennen um sie daran zu gewöhnen.

Dasselbe gilt für Kain, als Gott ihn nach seinem Bruder fragte. Hätte Kain seine Schuld zugegeben, hätte er bereut und um Vergebung gebeten, wäre dies ihn von Gott dem Barmherzigen gewährt worden.

2.)    Nach dem Gesetz Moses:

Nach dem Gesetz Moses war die Beichte ein unerlässlicher Bestandteil und eine unbedingte Voraussetzung der aufrichtigen Reue. In diesem Zusammenhang lesen wir folgendes:  „Angenommen, jemand sündigt in einem der folgenden Fälle: er hat eine laute Verfluchung gehört, ist Zeuge, da er es gesehen oder darum gewusst hat, aber er zeigt es nicht an und lädt damit Schuld auf sich;

Als Schuldopfer für seine begangene Verfehlung soll er dann ein weibliches stück Kleinvieh, ein Schaf oder eine Ziege, vor den Herrn als Schuldopfer bringen, und der Priester soll ihn entsühnen und so von seiner Verfehlung lösen.“

[(Levitikus 5:1,6; sieh auch Lev. 26:39 .45 und Nummer 5:6-7)]

[Hiob sagt: “Wenn ich nach Menschenart meine Frevel verhelfe, meine Schuld verbarg in meiner Brust,…(1 Job 31:33)]

3.)    Im neuen Testament

Unser Herr Jesus Christus hat seinen Aposteln die Macht gegeben,  zu binden und zu lösen. Im Evangelium nach Matthäus lesen wir: „ Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein“ (Matthäus 16:19). Wir lesen im selben Evangelium weiter: „Amen, ich sage euch: alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein“

(Matthäus 18: 18)

Dasselbe lesen wir nach der Auferstehung im heiligen Evangelium nach Johannes: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert(Johannes 20: 23)

Logisch betrachtet hatten die Apostel sicher zuerst die Beichte gehört und dann entschieden ob diese zu lösen oder zu binden. Oder wie können die Apostel und ihre Nachfolger die Vergebung zu verweigern ohne die Beichte genau zu hören.

 „Viele, die gläubig geworden waren, kamen und bekannten offen, was sie (früher) getan hatten.“

(Apostel Geschichte 19: 18)

In diesem Zusammenhang sagte der Hl. Jakobus: „ Darum bekennt einander eure Sünden, und betet für einander, damit ihr geheilt werdet.“(Jakobus 5: 16)Im ersten Brief des Hl. Johannes lesen wir ebenfalls: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.“(1 Johannes 9)

4.)    In der Didaskalia:

Nach den Lehren der Apostel wurde dieses Sakrament in den Lehren der Apostel (Didaskalia) wiederholt bestätigt. Darin lesen wir folgendes:“ Achtet Ihr(eure geistlichen Väter) und verehren Sie sie; bieten Sie ihnen alle Arten der Würdigung an, denn ihnen hat Gott die Macht über Leben und Tod gewährt, indem er es ihnen ermöglichte,  die Sünden zu binden und die Reuenden von ihren Sünden zu befreien“

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DAS ZEUGNIS DER GEMEINSAMEN ZUSAGE:

Erwähnenswert ist die Tatsache, dass bei allen orthodoxen und katholischen Kirchen die Beichte eines der heiligen sieben Sakramente ist.

Ein Zeugnis von der Lutherischen Kirche, wo sie sagen, dass Luther folgendes in seinem Werk schrieb“ Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche „“die geheime beichte gefällt mir sehr; sie ist nützlich, ja sogar notwendig“ Calvin schrieb:“wer ein unruhiges Gewissen hat wegen was er getan hatte, dem ist die Beichte die beste Empfehlung

In der Geschichte Davids wissen wir, dass er bei dem Propheten Natan gebeichtet hatte:

David sagte zu Natan: „Ich habe gegen den Herrn gesündigt. Natan antwortete David: Der Herr hat dir deine Sünde vergeben; du wirst nicht sterben.“ (2 Samuel 12:13)

In  der Geschichte Josuas verstehen wir, dass der Sünder vor Gott und dem Priester bekennen muss:“ Josua sagte zu Achan: „Mein Sohn, gib dem Herrn, dem Gott Israels, die Ehre, und leg vor ihm ein Geständnis ab. Sag mir offen, was du getan hast, und verheimliche mir nichts.“ (Josua 7:19)

Damals pflegte der Sünder ein Tieropfer dar zu bringen, seine Hand auf seinen Kopf zu legen, und seine Verfehlung Gott in der Anwesenheit  des Priesters zu beichten.

 Zur Taufe: „Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der Jordangegend zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen“ (Matthäus 3:5)

 D.h die Apostel nahmen auch die Beichte der Bekehrten ab.

 

Wie bereitet man sich für die Beichte vor?

-          Die eigenen Verfehlungen zu erkennen und einzusehen. Dies geschieht,  indem er selber seine Wort und Taten immer wieder überprüft. Er muss einsehen, dass er Gott den Allmächtigen dadurch  verhöhnt  hatte und dass er mit denen, die ihn gekreuzigt hatten, die Nägel in seine Hände schlug. Dies geschieht,  indem der Mensch in aller Ruhe kontempliert, und überlegt, begleitet mit innigem Gebet. Er soll seine Gedanken auf ein Papier schreiben, damit er keine Sünde vergisst (man soll dieses Papier nach der Beichte zerreißen!)

-          Er muss eine wahrhafte Reue empfinden und die herzhafte Intention haben, eine solche Tat, die Gott verhöhnt hatte, nicht mehr zu begehen.

-          Es ist wichtig, dass er in aller Demut vor Gott in der Anwesenheit des Priesters seine Beichte ablegt. Er darf nichts verheimlichen oder verkleinern.

-          Die totale Gehorsamkeit gegenüber seinem Beichtvater und willige Ausführung seiner Empfehlungen.

Die Beichte muss in regelmäßigen Abständen gehalten werden.

DIE PHILOSOPHIE DER OFFENLEGUNG DER GEDANKEN DURCH DIE BEICHTE, hilft uns das Böse zu besiegen und die Sünde zu hassen,  weil die Sünde vermehrt  und verstärkt sich durch Verheimlichung

Die heiligen Väter belehrten uns, dass die Sünde in der Tat sehr schwach ist vor allem in den Anfängen. Sie bezieht ihre Kraft in der Geheimhaltung und Verheimlichung.

S.E. Bischof Gabriel 23.12.2009 - www.kopten.at

 

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