Judasbrief - Ein Vortrag von S.E. Bischof Anba Gabriel

Definition „Judas“ : Dankbarkeit

Wenn der Name „Judas“ erwähnt wird, zeigt die Mehrheit der Christen keine Begeisterung, denn er erinnert sie an Judas den Verräter. Doch wird dürfen ihn nicht mit dem Judas verwechseln, welcher diesen Brief verfasste. Er trägt mehrere Namen:

  1. Bruder des Herrn (Jesus Christus), aber ACHTUNG! Der Begriff „Bruder“ ist hier nicht wortwörtlich zu verstehen. Judas und seine Geschwister Joseph, Jakobus und Josi sind die Söhne der Maria, Frau des Klobas und Schwester der Heiligen Jungfrau Maria. Somit sind sie die Cousins unseres Herrn Jesus Christus.

Einige Verse zu diesem Thema:

  • „Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab.“ (Mk 6:3)
  • „Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.“(Joh 19:25)
  • „Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine Brüder? Leben nicht alle seine Schwestern unter uns? Woher also hat er das alles?“ (Mt 13:55-56)
  • „Maria aus Magdala aber und Maria, die Mutter des Joses, beobachteten, wohin der Leichnam gelegt wurde.“ (Mk 15:47)
  • „Auch einige Frauen sahen von weitem zu, darunter Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus dem Kleinen und Joses, sowie Salome;“ (Mk 15:40)
  • „Zu ihnen gehörten Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.“ (Mt 27:56)
  • „Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben.“ (Mr 16:1)

  1. Ein weiterer Titel: Thaddäus. Wenn wir die Ikonen der Apostel an der Ikonostase betrachten, finden wir unter ihnen einen mit dem Namen Thaddäus, welcher für Judas steht, um ihn ich nicht mit Judas dem Verräter zu verwechseln.

Die Entstehungszeit des Briefes: Ca. in der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts nach Christi. 

Die Mehrheit der Briefe des NT wurde sogar vor den Evangelien verfasst.

Judas stammt aus dem Stamm Judas, welcher einer der größten (400 000) und wichtigsten Stämme der 12 Stämme im AT im Königreich Israel war. Er wuchs schnell und war gesegnet. Es existieren Prophezeiungen, dass unser Herr Jesus Christus aus dem Stamm Judas geboren wird.

Der Name „Judas“ war sehr berühmt. Ein Beispiel aus dem AT: Judas der Makkabäer: Er lebte ca. 50 Jahre v.Ch. , führte und gewann siegreich die damalige Revolution.

Das Neue Testament besteht aus 27 Büchern, davon sind 21 Briefe der Apostel, welche mehr als die Hälfte ausmachen.

Warum werden die restlichen sieben Nicht- Paulinischen Briefen „Katholische Briefe“ genannt?                                         

Antwort: 

Die Paulinischen Briefe waren immer an bestimmten Gemeinden oder Personen gerichtet. Das Wort „Katholisch“ bedeutet hier universal, d.h. diese Briefe sind an allen Gemeinden, Kirchen, Personen auf der ganzen Welt gerichtet, sie wurden für alle verfasst.

Obwohl der Brief des Judas aus nur einem Kapitel besteht,  umfasst er viele wichtige und aussagekräftige Themen. 

Hauptthema: Die Bekämpfung einiger Ideologien und Lehren der Gnostiker.

Einige ihrer Theorien und Denkweisen:

Sie glaubten…

  • …durch Erlangen von Wissen gelangen sie zu Gott
  • …es existieren Ebenen zwischen Gott und den Menschen, da sie einen direkten Kontakt bzw. eine direkte Beziehung zwischen Gott und den Menschen für unmöglich hielten
  • …der menschliche Körper ist von Natur aus unrein, daher lehnten sie die Inkarnation Christi ab
  • …alles Materielle ist von sich bzw. von Natur aus unrein
  • …eine Beziehung oder Kontakt zu Gott ist nur über bestimmte Personen oder sogenannte „kleine Götter“ möglich à indirekte Beziehung zwischen Gott und Mensch
  • …spirituelle Führer sind vom Gesetz Gottes befreit

Interpretation einiger Verse:

Verse 3+4:

„Liebe Brüder, da es mich sehr drängt, euch über unsere gemeinsame Rettung zu schreiben, halte ich es für notwendig, euch mit diesem Brief zu ermahnen: Kämpft für den überlieferten Glauben, der den Heiligen ein für allemal anvertraut ist. (1Tim 1,18; 2Petr 2,1)

4 Denn es haben sich einige Leute eingeschlichen, die schon seit langem für das Gericht vorgemerkt sind: gottlose Menschen, die die Gnade unseres Gottes dazu missbrauchen, ein zügelloses Leben zu führen, und die Jesus Christus, unseren einzigen Herrscher und Herrn, verleugnen.“

3: In diesem Vers ermahnt uns Judas. Jeder Mensch braucht es, von anderen ermahnt zu werden. Dies ist die Aufgabe der Kirche und Kleriker, die Sünder zu ermahnen, damit sie wieder durch Reue und Beichte zu Christus zurückkehren.  

3+4: Wir sollen für den überlieferten Glauben friedvoll und mit Frömmigkeit kämpfen. Mit dem Begriff „kämpfen“ ist ein spiritueller Kampf gemeint; der Kampf gegen den Satan und seine Ideen. Das Blut Christi, das Blut der Märtyrer und der spiritueller Kampf unserer Urväter gegen viele Häresien bewahren uns den Glauben bis heute. Nun ist es unsere Aufgabe, ebenfalls unseren Glauben vernünftig zu verteidigen. Jedoch muss ein „ spiritueller Kämpfer“ des Glaubens ein heiliger Mensch sein. Diese Aufgabe können nicht jene übernehmen, die den Begierden der Welt folgen und sie lieben. Es ist sehr wichtig, dass wir ein Zeugnis für die Bibel legen. In diesem Vers fordert uns Judas ganz klar auf, für unseren Glauben zu kämpfen. Eine Möglichkeit dies zu tun wäre das Predigen. Dazu muss man theologisch gut gebildet sein und regelmäßig die Bibel studieren. 

Vers 5:

 

„Zwar wisst ihr alles ein für allemal; aber ich will euch dennoch daran erinnern: Obwohl der Herr das Volk aus Ägypten gerettet hatte, hat er später alle vernichtet, die nicht glaubten.“

 

In diesem Vers wird die Gerechtigkeit Christi illustriert. Ausnahmslos wurden alle Israeliten durch das Rote Meer geführt und damit vor dem Pharao gerettet, alle aßen vom Manna, das ihnen Gott sandte, sie alle tranken vom Wasser, welches Gott ihnen aus den Felsen schöpfte usw.…

 

Verse 6+7:

 

„Die Engel, die ihren hohen Rang missachtet und ihren Wohnsitz verlassen haben, hat er mit ewigen Fesseln in der Finsternis eingeschlossen, um sie am großen Tag zu richten. (1Mo 6,1)

7 Auch Sodom und Gomorra und ihre Nachbarstädte sind ein Beispiel: In ähnlicher Weise wie jene trieben sie Unzucht und wollten mit Wesen anderer Art verkehren; daher werden sie mit ewigem Feuer bestraft.“

 

Das Thema in Vers 7: die Homosexualität

Die Heilige Schrift lehnt diese Art von Beziehung komplett ab, da sie von der Natürlichkeit abweicht. Denn Gott erschuf am Anfang Mann und Frau, die sich ergänzen und gemeinsam eine Familie gründen. Welche Lebensziele hat eine homosexuelle Beziehung? Welchen Zweck erfüllt sie? Kann man mit solch einer Beziehung eine Familie gründen? Ganz bestimmt nicht! Zwischen Mann und Frau herrscht eine Anpassung, denn so hat das Gott gewollt. Doch welche Anpassung existiert in einer homosexuellen Beziehung? Ein Männer- oder Frauenpaar ergänzt sich nicht, kann keine Kinder zeugen und somit sich nicht vermehren. Würde die Anzahl der Menschen wachsen, die solche Beziehungen eingehen, gäbe es bald keine Menschen mehr. Daran kann man erkennen, dass die Homosexualität der Natürlichkeit überhaupt nicht entspricht.

 

Vers 9:

 

„Als der Erzengel Michael mit dem Teufel rechtete und über den Leichnam des Mose stritt, wagte er nicht, den Teufel zu lästern und zu verurteilen, sondern sagte: Der Herr weise dich in die Schranken.“

 

Hier wird der Kampf zwischen dem Erzengel Michael und dem Satan geschildert. Wie kam es dazu?

Da das Volk Israel dazu tendierte, den Leichnam des Moses anzubeten und dadurch Gott zu missachten, befahl Gott dem Erzengel Michael den Leichnam vor den Augen der Menschen zu verbergen. Der Satan sah dies aber als die perfekte Gelegenheit, die Menschen von der Anbetung Gottes abzubringen und wollte den Erzengel abhalten, den Befehl Gottes auszuführen. Dadurch kam es zu dem Kampf zwischen dem Erzengel Michael und dem Satan.  

 

Vers 16:

 

„Sie sind Nörgler, immer unzufrieden mit ihrem Geschick; sie lassen sich von ihren Begierden leiten; sie nehmen große Worte in den Mund und schmeicheln den Menschen aus Eigennutz.“

 

Judas beschreibt hier die Eigenschaften der Menschen am Ende der Tage. Sie werden nörgeln, unzufrieden sein und sich von ihren Begierden leiten lassen.

 

Der Segen des Heiligen Judas sei mit euch allen.
Amen.

 

S.E. Bischof Gabriel - www.kopten.at