Eine Predigt von S.E. Bischof Anba Gabriel am Karmittwoch 12.04.2017 in der Jugendpascha

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Mittwoch der Karwoche. Welchen Titel sollen wir diesem Tag geben? Ein Tag des Verrats oder der Liebe? Ich persönlich bevorzuge den Titel der Liebe. Aber Judas, einer der Apostel, verriet doch unseren geliebten Herrn Jesus Christus! Dennoch bereitete uns Jesus mit zwei großartigen Taten der Liebe darauf vor:

Am (Lazarus-)Samstag, eigentlich 2 Tage davor: Nachdem Jesus Lazarus von den Toten Auferweckt hatte, goss Maria, die Schwester von Lazarus, kostbares Öl auf die Füße Christi. Das ganze Haus war erfüllt mit diesem Duft. Kurz davor hatte das Haus nach dem Tod Lazarus gerochen - seine Kleidung, sein Körper, alles im Haus roch nach seinem Tod. Aber Maria brach dieses Alabastergefäß und goss das Öl auf die Füße Christi. Das ist sehr schön. Sie brach nicht nur ein Gefäß und goss ein materielles, duftendes Öl aus, sondern ihr Herz. Sie goss ihr Herz vor Christus in ihrer Niederbeugung aus. Maria, die Schwester von Lazarus, hatte sich auch früher zu den Füßen Christi gesetzt. Sie hatte seine Predigten und seine Rede über das ewige Leben gehört, seine Liebe gesehen und war begeistert. Früher hatte sie dagesessen und Jesus als Lehrer betrachtet. Aber jetzt, nach dem Jesus ihren Bruder aus dem Tod auferweckt hatte, sah sie Ihn nicht mehr nur als Lehrer. Sie sah Ihn als Gott, als Schöpfer, der die Macht über den Tod besitzt. Deswegen war das von Maria eine vollkommene Niederbeugung und Anbetung; mit einem Duft. Dein Gebet ist wie ein Duft und Gott wird das riechen. So wie es oft im Alten Testament gesagt wurde: dein Gebet, deine Opfergabe des Herzens, wird von Gott als Wohlgeruch wie Weihrauch und Duftöl empfangen.

Wie schön das doch ist! Sei dir sicher: Wenn du betest, wird sich das Herz Christi erfreuen. Gottes Herz freut sich über deine Gebete. Maria goss nun Duftöl auf die Füße Christi. Aber das war nicht alles; sie tat noch etwas Kostbares. Sie trocknete mit ihren Haaren Seine Füße. Es ist schön, dass Jesus nach diesem Duftöl riecht, aber es ist ebenso schön, dass Maria selbst auch danach riecht. Wenn du wirklich Gott anbetest und dein Herz eine Verbindung zu Ihm hat, dann wirst du nach Christus riechen. Dein Geruch wird der Geruch Christi sein. Das ist wunderschön. Also nicht nur Jesus trug diesen Duft, sondern auch Maria, weil es in ihren Haaren war.

Dieser Duft ist außerdem das eines Öles, das bedeutet, es blieb tagelang und das war auch erforderlich für das Begräbnis Christi. Dieses Ereignis war am Samstag, eigentlich zwei Tage davor. Heute, am Mittwoch, wurde Judas, wegen seiner Liebe zum Geld, wahnsinnig. Sein Ziel war nur noch das Zählen des Geldes und anschließend es einzustecken, was ihm Beruhigung gab. Es gibt wirklich Menschen, die sich freuen, wenn sie Geld sehen oder riechen. Geld darf kein Grund für deine Freude sein! Jesus hatte davor Judas oft ermahnt. Aber Judas entschied sich, Jesus zu hassen und das Geld, das Mammon, zu lieben. Er suchte immer danach, etwas verkaufen zu können. Darum schmähte er die zwei Frauen: Maria und die andere Frau heute, am Mittwoch. Er beleidigte, kränkte sie war ihr gegenüber sehr böse. Er fragte sich, was das für eine Verschwendung sei und wozu das überhaupt gut wäre. Sehr eigenartig von dir, Judas; ist Jesus nicht dein geliebter Gott und dein geliebter Meister? Ist Jesus es nicht wert, dass man ein kostbares Öl über Ihn gießt? Was tust du bloß, armer Judas? Was willst du damit machen? Du brachst das Herz Christi, aber die Frauen brachen das Alabastergefäß. Du willst immer nur nehmen, aber die Frauen wollen nur geben. Dieser Vergleich bereitete uns heute eine Freude anstatt der Trauer über Judas. Er begann, Kritik auszuüben. Das tun auch viele Menschen heutzutage, indem sie sagen: „Warum spenden wir Geld für die Kirche? Warum bauen wir die Kirche so schön? Warum bringen wir so wertvolle Sachen für die Kirche?“ Sag das bitte nicht. Das ist das Haus Gottes und das soll geschmückt werden, damit auch Jesus dein Herz schmückt und es erfreut. Die Liebe dieser Frau war sehr groß. Drei Mal empfing Jesus von drei Frauen zu drei verschiedenen Anlässen Öl. Nur ein Name davon ist uns bekannt, nämlich jener von Maria der Schwester von Lazarus. Die anderen zwei blieben unbekannt. Die erste Frau im Lukasevangelium Kapitel 7 war eine Sünderin, die sehr stark aufgrund der Sünde belastet war und schwere Sünden auf ihre Schultern trug. Aber auch der Satan hatte sie gefesselt und darum waren ihre Leiden sehr stark. Diese Tatsache ist bekannt, dass die Sünde das üblicherweise mit dem Menschen tut. Am Anfang glaubte sie, sie könnte viel Geld mit der Sünde gewinnen und reich werden. Später dachte sie jedoch nicht mehr so, sie war sehr traurig. Dann entschloss sie sich, Jesus zu treffen. „Aber wie soll ich zu Jesus gehen und mein ganzer Körper ist vollkommen unrein; meine Gedanken, Augen, einfach alles! Ich gebe Ihm ein kostbares Geschenk, damit Er zufrieden mit mir ist”, dachte sie sich. Also ging sie zu Jesus, goss dieses Öl über Seine Füße und betete in ihrem Herzen: „Bitte vergib mir. Du hast vielen Menschen ihre Sünden vergeben und ich weiß, du hast die Macht dazu.” Warum erwähnte Jesus ihren Namen nicht? Damit keine Schande über sie und ihre Familie kommt und die Menschen nicht schlecht über sie reden und sagen: „Das ist die Ehebrecherin, die Sünderin!“. Er verriet ihren Namen also nicht, um sie zu schützen. Die zweite Frau war Maria, die Schwester von Lazarus und Martha. Es ist uns bekannt, denn sie tat es aus Dankbarkeit, weil Jesus ihren Bruder vom Tod auferweckt hatte. Die erste Frau verlangte wegen ihrer Sünden, die Vergebung von Jesus. Die zweite Frau, Maria, führte dies aus, um Ihm zu danken. Aber heute gelangten wir zur Spitze der Liebe und der Freude. Diese Frau hatte keinen Wunsch; sie war weder eine sündige Frau noch war sie wie Maria, deren Bruder gestorben war. Sondern sie war eine Frau, die dies aus ganzem Herzen und purer Liebe darbrachte: Sie goss Öl über das Haupt Christi, auf seine Haare. Aber warum erwähnte Jesus auch ihren Namen nicht? Weil Er will, dass jeder von uns dasselbe tut. Manchmal erwähnt Er den Namen nicht, wie bei der Sünderin, aber in diesem Fall gab Er ihn bekannt nicht, damit wir das tun. Seine Konzentration lenkte sich auf ihre Tat, nicht ihren Namen. Jesus sagte etwas Besonderes: „Überall auf der Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man sich an sie erinnern und erzählen, was sie getan hat.(Mk 14:9). Die Koptische Kirche übernahm dieses Prinzip. In der Hl. Messe sagen wir: „Denn es ist das Gebot deines eingeborenen Sohnes, dass wir am Gedächtnis deiner Heiligen teilhaben”. Wir führten das genauso in die Hl. Messe ein und darum wird jeder Heilige bei uns verehrt. Diese wertvolle Frau erfreute nun das Herz Christi, das Herz der Kirche und die Herzen der Jünger. Sie brachte das Alabastergefäß mit und goss voller Liebe dieses Öl aus. Heute ist Mittwoch, d.h. morgen am Abend wird Jesus überliefert. Er kommt zum Gericht und zu verschiedenen Orten. Überall, wohin Jesus kommt, riecht es nach diesem Duft dieser Frau, die die Engel und auch die Menschen mit Lob und Liebe erwähnen. Es gibt einen schönen Vers in Salomos Buch: Solange der König an seiner Tafel war, gab meine Narde ihren Duft.(Hohelied 1:12). So sprach die Prophezeiung im Alten Testament über diese Frauen, aber auch über jeden von uns. Wenn du wirklich dein Herz und deine Liebe vor Christus darbringst, ohne irgendein Ziel erreichen zu wollen, dann wird das im Himmel und auf Erden gerochen.

Dieser Vergleich ist wunderschön. Du bist der Geruch Christi; das sagte auch der Hl. Paulus: „Ihr seid der Wohlgeruch Christi (siehe 2.Kor 2:15).Bitte vergiss das niemals; Du bist der Geruch Christi. Egal wo du bist, sei es auf der Straße, in den Verkehrsmitteln oder in der Universität/Schule - bitte sei der Geruch Christi durch deine Liebe, deine Reinheit, deine Gebete. Sei ein Wohlgeruch für die anderen. Sei nicht ein Mensch, der die anderen kritisiert und somit kein Wohlgeruch sein kann. Sei nicht ein Mensch, der schimpft und schlechte Worte in den Mund nimmt, sodass du die Menschen damit kränkst. Sei ein Mensch, der sein Herz wie Duftöl ausgießt und daraus Wohlbefinden ausströmt. Jesus wurden zuerst die Füße, dann das Haupt mit Öl gesalbt, weil Er übermorgen, am Freitag, keine Zeit haben wird, um Seinen Körper mit Duftöl etc. einzusalben, wie es bei den Juden üblich war. Daher wurde das gemacht - von Händen, die Jesus wirklich von Herzen liebten und die ihre Herzen Jesus widmeten. Lasst uns ein Geruch Christi sein. Lasst uns Gott von ganzem Herzen lieben. Und lasst uns auch von der Liebe zum Geld fernbleiben, in die der arme Judas fiel.