Die Verlobte wurde als Frau des Mannes betrachtet; sie galt als Witwe, wenn ihr

Verlobter starb, und sie hatte finanzielle Ansprüche wie eine verwitwete oder

geschiedene Frau. Bei Untreue traf sie dieselbe Strafe wie eine Ehefrau.

So verstehen wir, warum Maria „die Frau Josephs“ genannt wurde (Mt 1, 16), obwohl sie nicht mit ihm verheiratet, sondern nur verlobt war.

Manche mögen nun fragen, ob es zwischen Maria und Joseph ein

Übereinkommen gab, auch nach der Hochzeit jungfräulich zu leben. Ein solches

setzt Augustinus voraus in seinem Kommentar zur Frage Marias an den Engel:

„Wie soll dies geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ (Lk 1, 34). Er sagt:

„Sicherlich würde sie das nicht gesagt haben, wenn sie nicht schon vorher ihre

Jungfräulichkeit Gott geweiht hätte und sie dieses Gelübde halten wollte.“