Aus dem Buch “So Many Years With the Problems of People Part III” von S.H. Papst Schenouda III

 

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Das Gelübde

 

Frage: Ich habe geschworen, dass ich so lange fasten werde, bis der Krieg vorbei ist, und das ist schon Jahre her. Ist dieser Schwur legitim oder nicht? Was ist Ihre Meinung zu jemanden, der schwört, sein Kind in Jerusalem oder in einer der alten Klöster in Oberägypten taufen zu lassen? Und was ist Ihre Meinung zu einem jungen Mann, der ein Zölibatsgelübde ablegt?

 

Antwort: Die Bibel sagt: „Es ist besser, dass du nichts gelobst, als dass du etwas gelobst und es nicht erfüllst.“ (Prediger 5:4). Ein Schwur ist der Ausdruck einer Vereinbarung zwischen einem Menschen und Gott; das heißt, es gibt kein Zurück mehr. Der Schwur muss jedoch, vom spirituellen Standpunkt gesehen, gut für den Menschen sein. Es ist nämlich nicht sinnvoll, eine Vereinbarung mit Gott zu erfüllen, die etwas Falsches beinhaltet. Einst schworen die Juden so lange zu fasten, bis sie den Apostel Paulus tot auffinden (siehe dazu Apg 23:12). Ihr Schwur war aber falsch und unrechtmäßig. Es ist also nicht jeder Schwur nach dem Willen Gottes abgelegt, einige können auch unrechtmäßig sein. Jephtah, der Gileaditer, schwor beispielsweise, dass er bei seinem Sieg das, was ihm als erstes auf seiner Rückkehr von seinem Haus aus begegnet, als Brandopfer darbringen würde (siehe dazu Richter 11:30). Obwohl es seine junge Tochter war, die ihm als erstes über den Weg gelaufen ist, erfüllte er seinen Schwur und opferte sie als Brandopfer für den Herrn. Selbstverständlich wäre Gott niemals nicht mit dieser Tat einverstanden gewesen, denn der Schwur war unrechtmäßig. Gott hat in Seinem heiligen Gesetz niemals geboten, dass Menschen als Brandopfer dargebracht werden.

 

Bezüglich den Eltern, die geloben, dass ihr Kind in einem weit entfernten Ort getauft wird: Sie könnten tatsächlich das Schicksal ihres Kindes gefährden. Stellen wir uns vor, die Umstände hindern sie daran, dieses Ziel zu erreichen oder das Kind stirbt, noch bevor es getauft wird - wie könnten die Eltern die Verantwortung für seine Ewigkeit auf sich nehmen? Außerdem würde das Fernhalten des Kindes von der Teilnahme an den heiligen Sakramenten - solange, bis die Umstände es ermöglichen, dass er/sie getauft wird (gemäß dem Wunsch der Eltern) - bedeuten, dass er von der himmlischen Gnade und vom Segen abgehalten wird, welche in ihm wirken könnten. Die Eltern würden in diesem Fall die Verantwortung dafür vor Gott tragen. Daher ist diese Art von Gelübde vollkommen falsch, vor allem deswegen, weil sich das Ergebnis/der Segen der Taufe von einem Ort zum anderen nicht verändert. Den Segen von einem besonderen Ort oder einem bestimmten Heiligen zu empfangen, mit Berücksichtigung der Risiken, sollte nur auf einen persönlichen Wunsch basieren. Es sollte jedoch nie zu einem Schwur führen. Das Risiko, das damit einhergeht, bringt uns dazu, die theologische Perspektive zu betrachten. Nämlich mit Berücksichtigung der Möglichkeit, den Schwur brechen zu müssen, da unser Leben in den Händen Gottes liegt und ein Kind auch sterben könnte, obwohl es völlig gesund ist. Wenn die Gesundheit des Kindes in Gefahr steckt, müsste das Gelübde gebrochen werden. Demnach würde die Sünde, den Schwur zu brechen, begangen werden - was weniger Gewicht hätte als der Tod eines ungetauften Kindes. Und durch das Brechen des Gelübdes hätten wir das kleinere von zwei Übeln ausgewählt. In beiden Fällen wäre das Missfallen der Kirche durch diejenigen, die das Gelübde abgelegt haben, verursacht worden, nämlich den Eltern. Allgemein betrachtet sollten diese Angelegenheiten eine Sache des persönlichen Wunsches und nicht des Gelübdes sein. Die Leute sollten eher dafür beten und sagen: „Oh Herr, wir würden sehr gerne unser Kind in diesem heiligen Ort taufen lassen“. Aber sie sollten kein Gelübde dafür ablegen. Gleichzeitig sollten sie es nicht aufschieben, auch wenn es nur ein persönlicher Wunsch ist, denn die Bibel sagt: „Wenn du Gott ein Gelübde machst, dann zögere nicht, es zu erfüllen.“ (Prediger 5:3).

 

Bezüglich des Zölibatsgelübde bzw. dem Gelübde des Mönchtums, empfehle ich nicht, dass sie von jungen Leuten abgelegt werden sollen, oder von solchen, die erst kürzlich mit dem spirituellen Leben vertraut sind. Es ist nicht falsch, ein Gelübde dafür abzulegen, aber es besteht das Risiko, dass die Idee nur ein Resultat eines vorübergehenden Enthusiasmus oder einer flüchtigen Prägung ist. Die Person könnte plötzlich von heftigen, spirituellen Angriffen bezüglich ihres Körpers befallen werden und es bereuen, diese Gelübde abgelegt zu haben. Sie könnte sich daraufhin wünschen, es rückgängig zu machen oder sich danach sehnen zu heiraten, oder es könnte damit endet, dass diese Person in Sünde lebt. Anstelle eines Zölibatsgelübde, stelle deinen Wunsch als ein Verlangen dar und mache es zu einem Gebet an Gott. Sage zu Ihm: „Ich würde gerne, oh Herr, ehelos leben oder ein Mönch werden. Bitte gewähre mir dieses Verlangen, wenn es Dein Wille ist.“ Diejenigen aber, die schon erwachsen und spirituell reif sind, die sich selbst für eine lange Zeit getestet haben und die himmlische Gnade auf ihrem Weg zum Sieg verspürt haben, kann nichts daran hindern, sich vollkommen Gott zu widmen. Ich würde ihnen auch dazu raten, die Angelegenheit nicht weiter hinauszuschieben, um dem Feind keine Chance für Angriffe zu bieten.

 

Bezüglich des Fastens bis zum Ende des Krieges kann ich sagen: das ist nicht praktizierbar.

Wer kann behaupten, dass die Kriege auf dieser Erde jemals enden würden? Sie sind allgegenwärtig und, gemäß der Bibel, immer herrschend, bis zum Ende der Welt (Mt 24). Wenn das Gelübde jedoch einen bestimmten Krieg in einem begrenzten Ort betrifft und derjenige erwachsen und zu fasten imstande ist, dann gibt es in diesem Fall keinen Einwand. Wenn es aber ums Fasten, ums Zölibatsgelübde und das Mönchtum geht, ist es notwendig, seinen spirituellen Vater um Rat zu fragen. Es ist nicht ratsam für eine Person, solche Angelegenheiten nach ihren eigenen Vorstellungen zu regeln, oder ohne Unterweisung (Beratung) zu erledigen. Wenn wir unseren spirituellen Vater in diesen wichtigen Themen nicht um Rat fragen, bei welchen Themen sonst?

 

Als eine allgemeine Regel gilt folgendes: Eine Person, die ein Gelübde ablegt, sollte es nicht übereilt tun. Denn es benötigt Besinnung, Überlegung, Beratung und Gebete bevor man ein Gelübde ablegt.                           

 

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